Wandmalerei-Monitoring in der Alten Kirche zu Idensen


Die romanische Ausmalung der Alten Kirche in Idensen gehört zu den Inkunabeln mittelalterlicher Monumentalmalerei im deutschen Sprachraum. Um 1130-40 entstanden, krönt das umfangreiche Ausmalungsprogramm die anspruchsvolle Architektur der Hof- und Grabkapelle des Mindener Bischofs Sigward, eines engen Vertrauten Kaiser Lothar I. Auch wenn manche Gesichter oder Gewandpartien im noch zur Hälfte überkommenen Bestand gut erkennbar sind, dürfte sich die ursprüngliche Oberflächenqualität jedoch nur an etwa 2 % der Ausmalung erhalten haben. Die vermutlich seit dem 17. Jahrhundert übertünchten Kalkmalereien wurden im 19. Jahrhundert entdeckt und 1931-1934 freigelegt und konserviert. Der sich durch mangelhafte Baupflege zunehmend verschlechternde Erhaltungszustand machte weitere Restaurierungskampagnen in den 1960er und seit den 1980er Jahren erforderlich. Erfreulich ist dabei, dass die vorgenannten Eingriffe mit dem Verzicht auf Übermalungen die Authentizität der qualitativ herausragenden Malereien wahrten.

Die erheblichen Schädigungen in Form von Malschichtverlusten sind das Resultat des Zusammenwirkens von Feuchte, Salz, mikrobieller Aktivität und klimatischen Faktoren, aber auch maltechnischen Schwächen. Die zurückliegenden Konservierungsmaßnahmen konnten den deutlichen Schadensfortschritt kaum verzögern. Im Gegenteil, die Anwendung organischer Festigungsmittel schuf neue Probleme. Fußend auf den Ergebnissen des 1987-1991 laufenden BMFT-Forschungsverbundprojektes „Wandmalereischäden”, dass direkte Sicherungsmaßnahmen an den Malereien ohne eine Eingrenzung der Schadensursachen langfristig unwirksam sind, wurde inzwischen begonnen, behutsam ein nachhaltiges Maßnahmen- und Pflegekonzept umzusetzen. Dessen wesentliche Stoßrichtung ist es, der zerstörerischen Wechselwirkung der bauschädlichen Salze mit einer Verstetigung der Klimaverhältnisse Einhalt zu gebieten. Mit dem Abschluss der Bauinstandsetzung wurde hierfür eine Grundvoraussetzung geschaffen. Ein weiterer Schritt war der Einbau einer Wärmedämmung unter der Dachhaut. Die Steuerung des Raumklimas, die sich einer Temperierung (elektrische Sitzbankheizung) und einer kontrollierten Be- und Endlüftung bedient, sorgt durch eine Begrenzung der Raumluftfeuchtigkeit auf maximal 73 % dafür, dass sich die Schadsalzbelastung möglichst immobil verhält. Auf diese Weise wird auch einer weiteren mikrobiellen Besiedlung insbesondere der Sockelzonen entgegengewirkt. Diejenigen Sandsteinbodenplatten, die im Zuge der Elektroinstallation aufgenommen werden mussten, wurden auf einer kapillarbrechenden Schicht neu verlegt, um den Feuchtetransport aus dem Baugrund zu reduzieren.
Gegenstand des letztjährigen Wandmalerei-Monitorings war es, gegebenenfalls aufgetretene Veränderungen an den Malereien seit der letzten Zustandserfassung von 1996 und im Verlauf des Jahres 2005 festzustellen. Dabei galt es zu klären, ob die im Januar 2003 in Betrieb gesetzte Temperierung zu Veränderungen bzw. neuen Schäden geführt hat. An vier ausgewählten Referenzflächen, an der Kalotte der Hauptapsis, der „Taufszene”, am „Weltgericht” und der Pauluskapelle, wurde in einem vierteljährlichen Turnus vor allem mit der Methode des Fotovergleiches möglichen Veränderungen nachgegangen. Als erfreuliches Resultat bleibt festzuhalten, dass sich am mittelalterlichen Bestand der vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) untersuchten Referenzflächen keinerlei Malschichtverluste sowohl im Vergleich zu 1996 wie auch im Jahresgang 2005 beobachten ließen. Geringe Verluste bewegten sich innerhalb jüngerer Retuschen und Kittungen. Gleichwohl ließen sich insbesondere an der „Christus in der Mandorla”-Darstellung der noch nicht wärmegedämmten Hauptapsis Kristallisationsvorgänge löslicher Schadsalze feststellen. Deren Existenz belegt eindrücklich das latent vorhandene Schadenpotenzial. Hier ist zu überlegen, ob nicht auch an diesem Bauteil eine
Dämmung auf der Gewölbeoberseite angebracht werden kann. Auch Beobachtungen an der Raumausmalung außerhalb der Referenzflächen geben Anlass zur Sorge. Das wiederholt von den Fenstern ablaufende Kondenswasser hat im Beobachtungszeitraum zu Malschichtverlusten an den darunter befindlichen Ornamentfriesen geführt. Es wird unbedingt zur Anbringung von Ablauf- bzw. Verdunstungsrinnen geraten, bevor an diesen Bereichen Konservierungsmaßnahmen durchgeführt werden können.
In der Petruskapelle kümmert sich im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit dem NLD die Fakultät Erhaltung von Kulturgut (ehemals Fachbereich Konservierung und Restaurierung), der HAWK, Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, seit dem Jahr 2000 im Zuge restauratorischer Fragestellungen um Kontrolluntersuchungen zum Schadensfortschritt an den dortigen Wandmalereien.
Auch wenn der Zustand der Malereien insgesamt relativ stabil erscheint, die Schritte zur Klimaverstetigung sich also positiv auswirken, empfiehlt es sich, neben der Umsetzung der angeregten baulichen Verbesserungen das Wandmalerei-Monitoring als wichtiges Instrument eines Wartungs- und Pflegeplanes fortzusetzen. Nach den jetzt vorliegenden Erkenntnissen dürfte eine Nachkontrolle in einem weiter gefassten Turnus, zunächst zweimal jährlich jeweils im Winter und im Spätsommer, ausreichen.


(zitiert aus dem Bericht von Bernhard Recker vom NLD)